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<title>Ietsismus</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Ietsismus</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Der Begriff <b>Ietsismus</b> leitet sich von <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Niederl%C3%A4ndische_Sprache" title="Niederländische Sprache">niederländisch</a></span> <span lang="nl-Latn" style="font-style:italic">iets</span> (etwas) ab. Er bezeichnet den <a href="Glauben" title="Glauben">Glauben</a> an eine <a href="Metaphysik" title="Metaphysik">metaphysische</a> Größe. Er ist ein allgemeiner Begriff für unterschiedliche Überzeugungen, wobei Menschen annehmen, dass es „etwas“ gibt zwischen <a href="Himmel_(Religion)" title="Himmel (Religion)">Himmel</a> und <a href="Erde" title="Erde">Erde</a>, ohne einer genauer bestimmten <a href="Religion" title="Religion">Religion</a> anzuhängen. Ein Ietser ist ein <a href="Glaube_(Religion)" title="Glaube (Religion)">Gläubiger</a>, der <a href="Orthodoxie" title="Orthodoxie">orthodoxe</a> <a href="Gott" title="Gott">Götter</a> beiseitelässt, jedoch für seine <a href="Sinn_des_Lebens" title="Sinn des Lebens">Sinngebung</a> sehr wohl an „etwas“ <a href="Transzendenz" title="Transzendenz">Transzendentes</a> glaubt, dass allem <a href="Existenz" title="Existenz">Existenten</a> eine absolute, aber nicht benennbare Kraft zugrunde liegt.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Etymologie">Etymologie</h2></div>
<p>Der Begriff erlangte in den <a href="Niederlande" title="Niederlande">Niederlanden</a> größere Bekanntheit, nachdem ihn der <a href="Molekularbiologe" class="mw-redirect" title="Molekularbiologe">Molekularbiologe</a> und langjährige Innenminister der Niederlande <a href="Ronald_Plasterk" title="Ronald Plasterk">Ronald Plasterk</a> in seiner Kolumne in der Wochenzeitschrift <i><a href="Intermediair" title="Intermediair">Intermediair</a></i> vom 20. November 1997 genannt hatte:
</p><p>„Sobald man beginnt, an der <a href="Orthodoxie" title="Orthodoxie">Orthodoxie</a> zu rütteln, gleitet man langsam aber sicher aus der <a href="Ekklesiologie" title="Ekklesiologie">Kirche</a> raus und landet früher oder später im <a href="Atheismus" title="Atheismus">Atheismus</a>, oder im Ietsismus. Letzteres scheint gemäß einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung die <a href="Religion" title="Religion">Religion</a> der Mehrheit der heute lebenden Niederländer zu sein: der Glaube, dass da ‚doch etwas sein muss‘, weil ihnen die Idee unheimlich ist, dass das Leben sinnlos und mit dem Tode zu Ende sei. […] Der Ietsismus ist eine ziemlich diffuse Religion, ihre Anhänger erwecken nicht den Eindruck, dass sie täglich oder auch nur wöchentlich damit beschäftigt seien, aber darauf hingewiesen fassen sie ihr Bild ungefähr wie folgt zusammen: ‚Da muss doch etwas sein? Es wäre doch schlimm, wenn da nichts weiter sei. Es käme mir wirklich kahl vor, wenn nach dem <a href="Tod" title="Tod">Tode</a> nichts mehr kommt.“<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Plasterk äußerte sich über den Ietsismus zunächst als lau und intellektuell unbefriedigend eher ablehnend, dann aber ab 2005 zunehmend wertschätzender, da Ietsisten wenigstens keine <a href="Fundamentalismus" title="Fundamentalismus">Fundamentalisten</a> seien.
</p><p>Ad Verkuijlen behauptete, dasselbe Phänomen bereits ein Jahr früher mit dem Terminus „ietsers“ beschrieben zu haben:
</p><p>„Immer weniger Menschen fühlen sich einer Kirche zugehörig. Dementgegen stieg die Anzahl derer beständig, die an eine höhere, nicht genauer definierte Macht glauben, ab 1991 von 2&nbsp;% auf 22&nbsp;%, so der <i>Sociaal en Cultureel Rapport</i> von 1996. Es ist eine nationale Epidemie, jeder kennt einige von ihnen. Auf die Frage, ob sie an einen Gott glauben, antworten sie bedeutungsschwanger: ‚Nee, aber da muss ja schon etwas sein!‘“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Möglicherweise war auch für Plasterk der <i>Sociaal en Cultureel Rapport</i> die erste Quelle, die das Phänomen mit Ziffern belegte, worauf er dann vermutlich mit den Worten „kürzlich veröffentlichte Untersuchung“ (s.&nbsp;o.) referierte.
</p><p>Der Ietsisme ist als eigenständiges Lemma in die im Oktober 2005 erschienene 14. Ausgabe des Wörterbuchs der niederländischen Sprache, des <i>Dikke Van Dale</i> (<i><a href="Gro%C3%9Fes_W%C3%B6rterbuch_der_niederl%C3%A4ndischen_Sprache" title="Großes Wörterbuch der niederländischen Sprache">Großes Wörterbuch der niederländischen Sprache</a></i>) aufgenommen worden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kennzeichen">Kennzeichen</h2></div>
<p>Im Gegensatz zum klassischen <a href="Agnostizismus" title="Agnostizismus">Agnostizismus</a>, der religiösen Überzeugungen gegenüber eher negativ eingestellt ist („nichts glauben, was man nicht wissen kann“), bleibt der Ietsismus diesem eher positiv gegenüber („es gibt viel mehr, als wir wissen können“). Er ist eine Form außerkirchlicher, aber religiöser Freisinnigkeit. Inhaltlich kann er von <a href="Christentum" title="Christentum">christlichen</a> Gottesbildern als außerweltlicher Kraft bis zu <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">buddhistischen</a> <a href="Weltbild" title="Weltbild">Weltbildern</a> mit innerweltlicher Kraft reichen. Ebenso ist es möglich, die Wahl zwischen diesen Extremen offen zu lassen. Damit ähnelt der Ietsismus in seinem Umgang mit dem abstrakten Symbol, in seiner Auffassung des <a href="Demiurg" title="Demiurg">Demiurgen</a> der <a href="Freimaurerei" title="Freimaurerei">Freimaurerei</a>, deren jeder Anhänger seine eigene Interpretation konstruieren kann; der Unterschied liegt darin, dass Freimaurer aktiv nach jenem „Etwas“ suchen, was der Ietsist nicht notwendig zu tun braucht.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kritik">Kritik</h2></div>
<p>Sowohl unter <a href="Theismus" title="Theismus">Theisten</a> als auch unter Atheisten stößt der Ietsismus auf Ablehnung, während laut einer Meinungsumfrage der Tageszeitung <i><a href="Trouw" title="Trouw">Trouw</a></i> im Oktober 2004 rund ein Drittel der Niederländer zu den Ietsisten gezählt werden kann.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Aufseiten der Theisten liegt dieser Widerstand darin begründet, dass der Ietsismus den offenbarten Glauben mehr oder weniger deutlich leugnet. Überzeugte Atheisten hingegen stören sich am diffusen Glauben des Ietsismus an höhere Mächte, anstatt ihn konsequent hinter sich zu lassen.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Übersetzt aus Ronald Plasterk: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.volkskrant.nl/dossier-archief/tepelklem-dioxinekip-ietsisme~a659251/">Tepelklem, dioxinekip, ietsisme</a>, <a href="De_Volkskrant" title="De Volkskrant">De Volkskrant</a>, 12. August 2005, abgerufen am 23. Mai 2005 (niederl.)</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20080522203124/http://taal.web-log.nl/taaladviesdienst/2007/02/ronald_plasterk.html">Ronald Plasterk: Ietsisme</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 22. Mai 2008 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>), <a href="Onze_Taal" title="Onze Taal">Onze Taal</a>, 14. Februar 2007, abgerufen am 23. Mai 2005 (niederl.)</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external autonumber" href="https://www.trouw.nl/tr/nl/4324/nieuws/article/detail/1739310/2004/10/21/Nederland-los-van-kerk-en-bijbel.dhtml">[1]</a>, Nederland los van kerk en bijbel, <a href="Trouw" title="Trouw">Trouw</a>, 21. Oktober 2004, abgerufen am 23. Mai 2005 (niederl.)</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Wim Couwenberg: <a rel="nofollow" class="external autonumber" href="http://www.civismundi.nl/?p=artikel&amp;aid=1896">[2]</a>, Is het redelijk nog in God te geloven?, <a href="Civis_Mundi" title="Civis Mundi">Civis Mundi</a>, 6. September 2012, abgerufen am 23. Mai 2005 (niederl.)</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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